mit Gastbeitrag "Denkmal für Schnee" von Esther Strauß
Foto: water wizard, c_ Kilian Jörg, edited by Tina Bauer
Foto: Denkmal für Schnee, c_Esther Strauß

Wussten Sie, dass das Wort „Alpen“ aus dem Irak stammt? Und dass seit den ersten Siedler:innen aus Mesopotamien die Alpen zu einer Kulturlandschaft gepflegt wurde, die seit der Industrialisierung langsam verfällt?
Im Rahmen des künstlerischen Forschungslabors Stoffwechsel - Ökologien der Zusammenarbeit, haben wir uns seit nunmehr einem Jahrzehnt mit neuen und alten Materialismen und Ökosophien beschäftigt, die andere Verhältnisse zur Erde aufbauen, welche dreckig und liebender sind – soiled love. Wir beschäftigen uns mit dem Alpenraum, inklusive der herausfordernden Fragen rund um traditionelle Lebensweisen.
Im Gebiet des feuchten Alpennordsaum liegt eine Jahrtausende alte Kulturtechnik begraben, die die Alpen als Kulturraum erst zu dem gemacht haben, was sie heute (noch) sind: ein sehr biodiverser Raum mit menschlichen Kulturtechniken der Landschaftspflege, die auf Kohabitation und Nachhaltigkeit ausgelegt sind. So wie indigene Völker den Amazonas-Regenwald erst als komplexes Habitat ko-kreiert haben, kann auch der Alpenraum als ein solches Ergebnis hochkomplexer und langfristig ausgelegter menschlicher Öko-Intelligenz verstanden werden.
Doch die Alpen sind auch eine Maschine des Freizeittourismus und des landwirtschaftlichen Hochleistungsfetischismus, genauso wie ein Symbol reaktionärer Volkstümelei. Wie kann diese toxische Gemengelage verstanden werden und wie können wir, jenseits von simplifizierten Heile-Welt-Projektionen die historischen Lebensweisen des Alpenraums als Inspirationsquelle für Ko-Habitationsweisen der Zukunft denken? Im Rahmen von SOILED LOVE: Feuchter Alpennordsaum haben wir uns mit Kuhfladen und Wolkenformationen, mit Wasserläufen und Almwirtschaften beschäftigt – wir haben nach den Märchen des Ortes gesucht und unsere Körperlichkeit in Relation zu den hohen Felsmassiven erforscht. In diesem Open Lab wollen wir unsere Erfahrungen teilen und zur Diskussion stellen. Hierfür haben wir auch die Künstlerin Esther Strauß eingeladen, welche sich seit Jahren intensiv mit den Alpen aus einer künstlerischen Perspektive beschäftigt. Sie wird ihr aktuelles Projekt Denkmal für Schnee vorstellen, das sich mit dem Verlust von Gletschern und der damit einhergehenden Trauerarbeit beschäftigt.

„Es mag der Tag kommen, an dem in den Alpen der allerletzte Schnee fallen wird. Ein Denkmal soll an diesen Verlust erinnern noch bevor er eingetreten ist. Auf einer namenlosen Spitze, die sich zwischen zwei Gipfeln im Urgestein der Tuxer Alpen findet, wird auf fast 2700 Höhenmetern ein zarter, 80 Zentimeter breiter Schriftzug aus Messing angebracht. Die drei kleinen Worte Denkmal für Schnee verwandeln den Berg in einen Sockel, an dessen höchstem Punkt – irgendwann, an einem Tag, der sich erahnen, aber nicht voraussagen lässt – der letzte Schnee schmelzen wird, der auf diese Spitze fällt. Was bedeutet uns sein Verschwinden?“ (Esther Strauß)
Sa 3.10.26 / 19:00 // STOFFWECHSEL Labor 2026 – SOILED LOVE: Feuchter Alpennordsaum // OPEN LAB / Artist lecture
Lisa Hinterreithner (AT), Michael Hirsch (DE), Kilian Jörg (AT), Anita Kaya (AT), Gast: Esther Strauß (AT)
Im_flieger@Bräuhausgasse 40, 1050 Wien
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