Unser Umgang mit der Normalität

Sa., 29. Januar 2022

– die Veranstaltung morgen findet nicht statt

Unser Umgang mit der Normalität – die Veranstaltung morgen findet nicht statt

Liebe Gäste,

Als Stoffwechsel-Kollektiv haben wir uns diese Woche intensiv und transdisziplinär mit Normalität beschäftigt – wir lasen Utopien einer anderen Welt, analysierten die Spannung zwischen Normalität als Halt und als Zwang, befragten dritte Orte im Öffentlichen Raum als mikro-utopischer Ermöglichungshorizont und untersuchten die Normalität als Katastrophe. Behutsam ließen wir auch das heißeste Eisen zur Normalität in unseren Forschungsraum: die oftmals als „neue Normalität“ benannte Unsicherheit bezüglich der Covid-19-Regulatorien und wie man damit umgehen kann im „irgendwie weiter hechelnden“ Kulturbetrieb.

Seit zwei Jahren sind wir als Künstler*Innen massiven Unsicherheiten ausgeliefert und versuchen uns genauso lang auf diese neue und stetig wechselnde Normalität einzustellen. Zuallermeist wird dieser Prozess der Anpassung an eine ständig wechselnde Normalität wenig öffentlich thematisiert – und man trägt einfach Maske, verlegt die Veröffentlichung auf Zoom, führt neue Grenzregime ein und grenzt damit einen Teil der Bevölkerung aus oder macht andere – wenig künstlerisch und ästhetisch reflektierte oder inkorporiete – Kompromisse mit den aktuell herrschenden Bedingungen. Ein inklusiver Raum ist nicht derselbe, wenn alle Masken tragen müssen (wie die derzeitigen staatlichen Maßnahmen es vorschreiben), genauso wenig ist eine Performance oder ein Vortrag derselbe, wenn er über die glatte Fläche eines Displays verfolgt wird.

Wo sollte man sich nicht diesen großen Fragen unserer digital-pandemischen Zeit widmen, wenn nicht in unserem Forschungszusammenhang, der sich schon vor der Pandemie die Normalität zum Hauptfokus ausgesucht hat? Wir diskutierten kontrovers, anstrengend, aber gleichzeitig sehr respektvoll und produktiv den Umgang mit dieser sich als Ausnahmezustand perpetuierenden Normalität der Covid-Regulatorien. Wir wollten nicht länger „so tun als ob“ und unsere Veröffentlichung einfach so abhalten, als gäbe es keine Auswirkungen auf die sozialen und ästhetischen Erfahrungen, die diese pandemische Situation auf Kulturveröffentlichungen haben.

Wir haben im Laufe der Arbeitswoche letztendlich keinen Konsens erzielen können über eine formale Lösung für die Frage, wie wir unter den bestehenden Regularien die Ergebnisse unseres Arbeitsprozesses mit einem Publikum stimmig teilen können. Die aktuell geltenden Covid-Verordnungen sind, egal wie man politisch zu ihnen steht, ein kulturpolitisches Phänomen, welches zu oft unter den Tisch gekehrt wird. Wir wollen uns diesem Phänomen annehmen und unser erster Schritt ist ein Scheitern daran. Wir glauben, dass das Scheitern eine befriedigende Lösung und ein Teil der Auseinandersetzung mit dem Problem der „neuen Normalität“ ist – und ein erster Schritt zu einem produktiven und befriedigenden Umgang mit einer Welt, die von diversen Katastrophen als Normalität gekennzeichnet ist. Wir wollen mit dieser Entscheidung einen Prozess eröffnen, der Anpassung, Kompromiss und Neuerfindung ermöglicht und befeuert. Wir nehmen uns daher als ersten Schritt zurück. Im Herbst, beim 2. Teil des Labors zum Thema Normalität, werden wir weitere Normalitäten erforschen und reflektieren.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im Herbst und senden euch einen link zur Lektüre (ab S 27) mit der wir uns beschäftigt haben.

https://www.tuneful.at/elixier/media/bolobolo.pdf

Falls ihr 2 Plätze reserviert habt bitten wir euch dies euren (mit)angemeldeten Personen mitzuteilen/weiterzuleiten.

Vielen Dank für euer Verständnis

Die Stoffwechsler*Innen