MACHINES AS MACHINATIONS

Di., 25. April 2017
19:00 Uhr

RETHINKING THE ONTOLOGY OF TECHNOLOGY Lecture von Alf Hornborg (Human Ecology, Lund University)

Depot
Breitegasse 3
1070 Vienna

 

In den reicheren Teilen der Welt entwickelte technologische Infrastrukturen sind das Produkt einer auf asymmetrischen globalen Strömungen biophysischer Ressourcen aus weniger wohlhabenden Regionen beruhenden Akkumulation. Technischer Fortschritt ist so gesehen nicht so sehr eine Sache genialer und unschuldiger Durchbrüche des Ingeneurswesens, als der Entwicklung neuer und profitabler Systeme zur Auslagerung von Arbeit und Umweltbelastung auf andere Populationen und geographische Gebiete. Dies, behaupte ich, ist die grundsätzliche Denkweise globalisierter technologischer Systeme: anstelle eines Index’ allgemeinen menschlichen Fortschritts – das reine, transzendente Wissen, das im Prometheus-Mythos versinnbildlicht wird – ist die Technik seit der Industriellen Revolution im Grunde eine Anordnung zur Verteilung von Ressourcen in der globalen Gesellschaft. Die moderne Technik erfordert nicht nur Erfindungsgabe und Fachwissen, sondern auch globale Abweichungen in den Marktpreisen. Daher is sie ebenso untrennbar mit sozialer Ungerechtigkeit verbunden wie Sklaverei oder Leibeigenschaft.

Moderation: Kilian Jörg (DE/AT) (Philosoph/Künstler) // Einführung: Bernd Kräftner (AT) (Kunst & Wissenschaft, Universität für angewandte Kunst Wien). Anita Kaya (AT) (Im_flieger KünstlerInneninitiative)
 

Alf Hornborg ist seit 1993 Professor für Humanökologie an der Universität Lund. Er promovierte 1986 in Kulturanthropologie an der Universität Uppsala und lehrte in Uppsala und an der Universität Göteborg. Er betrieb Feldforschung in Peru, Neuschottland, dem Königreich Tonga und Brasilien. Sein Forschungsinteresse gilt vor allem der kulturellen und politischen Dimension der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt in früheren und gegenwärtigen Gesellschaften, speziell aus dem Blickwinkel globaler Systemanalyse. Dies führte zur Erforschung unterschiedlicher Perspektiven nicht nur in anthropologischer Hinsicht, sondern auch von transdisziplinären Gebieten wie etwa Unweltgeschichte, Ökologiewirtschaft, politische Ökologie und Entwicklungspolitik. Das zentrale Bestreben dabei war, die Einschränkung menschlicher Herangehensweisen an Ökonomie, Technologie und Ökologie durch spezifische kulturelle Annahmen zu untersuchen, und wie solche Annahmen dazu neigen, als Ideologien zu dienen, die soziale Machtverhältnisse reproduzieren.

Eingeladen von Art & Science master’s programme, University of Applied Arts Vienna, im Zusammenhang mit den Lecture Series «Natura Naturans: In the woods» (www.artscience.uni-ak.ac.at). In Zusammenarbeit mit Im_flieger, im Rahmen des transmediaen Research Projects STOFFWECHSEL – Ecologies of Collaboration,Wien und Depot, Wien.